Billy Strayhorn

Der Name Billy Strayhorn begegnete mir über die vergangenen Jahre immer wieder, sei es durch Social-Media-Beiträge, DJ-Sets mit Fokus auf queere Künstler*innen, oder beim Googeln queerer Einflüsse auf den Jazz und Swing. Aber erst bei der etwas ausgiebigeren Recherche für eine kleine Ausstellung über queere Künstler*innen im Jazz und Blues im vergangenen Jahr wurde mir bewusst, welch wesentlichen Einfluss Strayhorn auf den Jazz hatte und, insbesondere, auf die Musik Duke Ellingtons. Im Rahmen der Recherche stieß ich schließlich auf David Hajdus Biographie „Lush Life: A Biography of Billy Strayhorn“ (1996). Auch wenn das Internet einiges an grundlegenden Eckdaten über Billy Strayhorns Leben hergibt, eröffnete mir dieses Buch einen deutlich weiteren, komplexeren und persönlicheren Blick auf das Leben Strayhorns.
Queere Lindy Hopper der Harlem Renaissance

Trotz gesellschaftlichen Drucks und gesetzlicher Einschränkungen herrschte in Harlem in den 1920er und 1930er Jahren eine lebendige und sichtbare queere Welt vor, die die Kultur der Ära maßgeblich beeinflusste und an ihr teilhatte.[mfn]vgl. Riemer & Brown, S. 56; für eine gut aufbereitete Einführung in Ikonen der queeren Harlem Renaissance empfehle ich Johnsons Flamboyants. The Queer Harlem Renaissance I Wish I’d Known[/mfn] Während wir regelmäßig Tänzer*innen wie Frankie Manning und Norma Miller würdigen, heben wir nie LGBTQ+-Tänzer*innen hervor.[mfn]Manche Autoren erwähnen Tänzer*innen wie Leon James und Al Minns, die Gerüchten zufolge möglicherweise queer waren (Fürnkranz, p. 43); hierfür scheint es aber kaum Nachweise zu geben.[/mfn] Auch wenn wir vielleicht nie einen berühmten queeren Lindy Hopper aus dieser Zeit finden werden, zeigen historische Beweise und Historiker*innen, dass queere Menschen aktiv an der Gestaltung einer sozialen Tanzszene beteiligt waren, insbesondere in privaten und halböffentlichen Räumen.
